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„Wir sind ausgestiegen“: Ein Zeichen für Demokratie und Freiheit

Pfarrsaal St. Ludwig in Ansbach gefüllt mit fast 200 Menschen bei der Veranstaltung Aussteiger am 7.9.2026
Fast 200 Menschen setzten am 17. September 2026 in Ansbach mit ihrer Teilnahme an der Veranstaltung „Wir sind ausgestiegen“ ein klares Zeichen gegen Rechtsextremismus.
Datum:
Veröffentlicht: 18.9.26
Von:
Janina Dillig

Ansbach. Fast 200 Menschen setzten am 17. September 2026 in Ansbach mit ihrer Teilnahme an der Veranstaltung „Wir sind ausgestiegen“ ein klares Zeichen gegen Rechtsextremismus. Im Mittelpunkt stand der persönliche Bericht einer ehemaligen AfD-Anhängerin. Sie schilderte ihren Weg in die Partei, ihre zunehmende Politisierung und Radikalisierung sowie schließlich ihren Ausstieg. Dabei zeigte sie eindrücklich auf, wie Misstrauen, Ängste und das Bedürfnis nach Gemeinschaft politische Weltbilder verändern können.

Von Verunsicherung zur Radikalisierung

Die Aussteigerin berichtete, dass gesellschaftliche Krisen und Verunsicherungen von der AfD aufgegriffen und auf einen Gegner – insbesondere Migration – zugespitzt würden. Vorwürfe würden dabei häufig umgekehrt: Nicht die AfD erscheine als autoritär, sondern „die anderen“. Zugleich entstehe durch Symbole, gemeinsame Überzeugungen und das Gefühl, willkommen zu sein, ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

Ängste hätten dabei eine wichtige Rolle gespielt – etwa vor Impfungen oder einer möglichen Deindustrialisierung. Die Referentin sprach auch über die Unterstützung für Donald Trump sowie den Einfluss russischer Botschaften und Hacker auf die Verbreitung entsprechender Inhalte.

Sie selbst habe sich lange für gemäßigt gehalten und erst später erkannt, wie weit sie sich nach rechts bewegt hatte. Der Ausstieg sei schmerzhaft gewesen: Freundschaften seien zerbrochen. Ihre Erfahrungen verglich sie in mancher Hinsicht mit dem Ausstieg aus einer Sekte.

Ansbacher Organisationen setzen Zeichen

Veranstaltet wurde der Abend von der KEB MittenInFranken gemeinsam mit den Omas gegen Rechts Ansbach und dem Ansbacher Verein RESPECT e. V. Die Organisatoren zeigten sich erfreut über die große Resonanz und die intensive Diskussion.

Dabei blieb der Abend nicht ohne Widerspruch: Eine Besucherin widersprach den Schilderungen der Aussteigerin, sodass Moderator Uwe Kekeritz, MdB a. D., eingreifen und die Diskussion strukturieren musste. Viele Wortmeldungen drückten jedoch Respekt für den mutigen Schritt der ehemaligen AfD-Anhängerin aus.

Bereits zur Begrüßung hatte Domkapitular Dr. Norbert Jung die Unvereinbarkeit von Rechtsextremismus und christlichem Menschenbild betont. Zum Abschluss bekannte sich Regionalbischöfin Gisela Bornowski zu Demokratie und Freiheit. Es gelte, das eigene Land nicht Extremisten zu überlassen und zugleich stärker darüber zu sprechen, was in unserer Gesellschaft gut gelingt.

Der Abend machte deutlich: Demokratie lebt vom Gespräch, vom Widerspruch – und von Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Mit der Veranstaltung setzten die beteiligten Organisationen und die zahlreichen Besucherinnen und Besucher in Ansbach ein sichtbares Zeichen für ein respektvolles Miteinander und für Freiheit und Demokratie.